

Hermann Göring wurde am 12. Januar 1893 in Marienbad bei Rosenheim als Sohn eines evangelischen Reichskommissars für Deutsch-Südwest-Afrika geboren. Er absolvierte das Kadettenkorps (Karlsruhe und Berlin-Lichterfelde) mit höchster Auszeichnung und trat als Leutnant in das 4. Infanterieregiment ein, mit dem er 1914 ins Feld zog. 1915 meldete er sich zur Luftwaffe und wurde 1917, nach einer schweren Verwundung, Kommandeur der 27. Jagdstaffel. Höhepunkt seiner Luftwaffenkarriere im Ersten Weltkrieg war die Ernennung zum Kommandeur des berühmten Jagdgeschwaders Richthofen am 14. Juli 1918.
Nach dem Krieg ging er als Testpilot und Kunstflieger nach Dänemark und 1920 nach Stockholm zur Svenska Lufttravik. 1921 begann er in München das Studium der Nationalökonomie und der Geschichte. 1922 heiratete er die geschiedene Carin von Kantzow geborene Baronin von Fock, die er in Schweden kennengelernt hatte. Im selben Jahr lernte er Adolf Hitler kennen, der Göring das Oberkommando der im Aufbau befindliche "Sturmabteilung" (SA) übertrug. Nach dem Hitlerputsch 1923, wo er eine schwere Oberschenkelverwundung davontrug, die nie ganz ausheilte und ihn zum Morphinisten machte, flüchtete er zuerst nach Österreich und 1925 nach Venedig und Rom. Dort lernte er Mussolini kennen. 1926 konnte er aufgrund einer Amnestie nach Berlin zurückkehren. Zunächst hatte Hitler keine Verwendung für ihn, daher war er als Vertreter für deutsche Flugzeugfirmen tätig. 1928 verschaffte Hitler Göring ein Reichstagsmandat. Görings Frau richtete einen politischen Salon ein und brachte dadurch die NSDAP mit dem Hochadel, der Großindustrie, Hochfinanz und den Militärs zusammen. 1931 starb seine Frau Carin.
Am 30. Januar 1933 übernahm Göring als preußischer Innenminister unter dem Staatskommissar von Papen den gesamten Polizeiapparat im größten deutschen Bundesland, den er rücksichtslos gegen alle politischen Gegner einsetzte, Konzentrationslager errichtete und die Geheime Staatspolizei (Gestapo) einrichtete. Am 11. April 1934 wurde er preußischer Ministerpräsident und am 5. Mai 1934 ernannte ihn Hitler zum Reichsluftfahrtminister. Im Oktober 1936 wurde er als Generalbevollmächtigter für den ersten Vierjahresplan mit weitreichenden Verordnungs- und Koordinierungsvollmachten gegenüber allen Behörden und der Wirtschaft ausgestattet.
Am 4. April 1938 ernannte ihn Hitler zum Generalfeldmarschall. Bei Kriegsbeginn bestimmte Hitler Göring zu seinem Stellvertreter und Nachfolger in allen Staatsämtern, bei der Partei und bei der Wehrmacht. Am 19. Juli 1940 ernannte Hitler ihn zum Reichsmarschall des Großdeutschen Reiches. Sein Einfluß auf die Staatsführung sowie militärischer Entscheidungen schwand aufgrund seines Versagens bei mehreren militärischen Operationen. Seine Interessen galten gegen Ende des Krieges dem Kunstraub, da er für das deutsche Volk eine als Stiftung geplante Galerie vorsah. Am 23. April stellte Göring Hitler ein Ultimatum, das Handlungsfreiheit als dessen Nachfolger verlangte. Hitler enthob Göring aller Ämter und ließ ihn am Obersalzberg als Verräter von der SS verhaften. Göring wurde durch die Luftwaffe befreit und stellte sich in Fischhorn bei Zell am See den Alliierten. Nach einer Entziehungskur wurde er im Hauptkriegsverbrecherprozeß in Nürnberg in allen Punkten der Anklage für schuldig befunden und zum Tode durch den Strang verurteilt. Er stellte ein Gesuch um Erschießung, das jedoch abgelehnt wurde und tötete sich selbst am 15. Oktober 1946 zwei Stunden vor der Hinrichtung durch Gift. Seine zweite Frau, die Schauspielerin Emmy Sonnemann, geschiedene Köstlin (1893 - 1973), die er am 10. April 1935 geheiratet hatte, wurde im März 1946 aus dem Zuchthaus Straubing entlassen.
