

Im Lagerjargon wurde der Häftlingskrankenbau "Revier" genannt. Dieser Block unterschied sich in keiner Weise von den Wohnblocks. Die Betten waren voller Läuse, die Strohsäcke mit menschlichen Exkrementen durchtränkt. Aufgrund der Überfüllung der Betten konnten sich die Kranken kaum umdrehen. Es gab keine räumliche Trennung nach Krankheiten. Hatten Häftlinge z. B. die Ruhr und lagen sie im oberen Teil der Pritschen, rann der dünne Stuhlgang auf die unter den Kranken Liegenden. Die Kranken lagen oft mit Sterbenden und Toten zusammen. Ärztliche Behandlung sowie Medikamente gab es nicht. Erschwerend kam hinzu, daß es lange Zeit gefangenen Ärzten verboten war im Revier zu arbeiten. Ein Waschraum, Wasser, Seife und Handtücher waren nicht vorhanden. Das Essen war für die Kranken wie für die Gesunden das gleiche.
Am 28. Juli 1941 fand die erste Selektion im Häftlingskrankenbau statt. Die Häftlinge wurden einer Sonderbehandlung (SB) unterzogen. Diese Bezeichnung stand für die gewaltsame Tötung in den Gaskammern. Alle zwei bis drei Wochen, manchmal aber auch jede Woche war der Block voll belegt. Wenn die volle Belegung gemeldet wurde, kam der Befehl zur Zusammenstellung eines Transportes für eine Sonderbehandlung. Die SS bestimmte die Zahl der Häftlinge, die vergast werden sollten. Die Häftlingsvorgesetzten des Reviers mußten diese Anzahl an Häftlingen liefern. Sie sahen sich unter den Kranken um, schrieben sich die Nummern von einigen auf und trieben die Ausgesuchten am frühen Morgen aus dem Block. Damit keiner verschwinden konnte, wurde den Totgeweihten unter die Häftlingsnummer auf dem linken Unterarm noch der Buchstabe L eintätowiert. Dieses L stand möglicherweise für das deutsche Wort "Leiche", es ist jedoch nicht wissenschaftlich belegt.
