JOSEPH KLEHR
 
Josef Klehr (SS-Oberscharführer), geboren am 17. Oktober 1904 in Langenau in Oberschlesien, war der Sohn eines Erziehers. Nach dem Besuch der Volksschule erlernte er das Tischlerhandwerk, in dem er bis 1934 arbeitete. 1934 bewarb sich Josef Klehr als Erzieher an der gleichen Anstalt, an der auch sein Vater tätig war, wurde aber nur als Nachtportier eingestellt. Erst Ende 1934 wurde er Pfleger in der Heil- und Pflegeanstalt im schlesischen Leubus. Bereits 1932 trat er der SS bei. 1938 wurde er Hilfswachtmeister im Zuchthaus Wohlau. 1939 zog ihn die SS ein und er kam zur Wachmannschaft des KZ Buchenwald. 1940 wurde er SS- Sanitäter ins KZ Dachau versetzt, 1941 zum SS-Unterscharführer befördert und im selben Jahr nach Auschwitz abkommandiert.

In Auschwitz wurde er zunächst als leitender Sanitäter eingesetzt, wo er an der Ermordung von Häftlingen durch die Injektion einer Phenollösung beteiligt war, die als "preisgünstig, einfach anzuwenden und absolut zuverlässig" galt, wenn sie durch große Spritzen mit langen Nadeln direkt in das Herz der Menschen injiziert wurde. Ab 1943 war Klehr Leiter der Desinfektionsabteilung und ab Juli 1944 Leiter des Häftlingskrankenbaus im Nebenlager Gleiwitz I und nahm an Selektionen und Massenvergasungen teil. Im Mai 1945 geriet er in amerikanische Kriegsgefangenschaft und wurde von einem Lagergericht zu drei Jahren Arbeitslager verurteilt. 1948 entlassen, arbeitete er bis zu seiner Verhaftung im September 1960 als Tischler in Braunschweig. Im Frankfurter Auschwitz-Prozeß wurde Klehr 1965 wegen Mordes an "allermindestens 475 Menschen" in jedem der Fälle zu einer lebenslangen Zuchthausstrafe verurteilt, die bürgerlichen Ehrenrechte wurden ihm aberkannt.