ARTHUR LIEBEHENSCHEL
 
Arthur Liebehenschel (SS-Obersturmbannführer), geboren 1901, Mitglied der NSDAP und SS unter der Nummer 39 254, war ab 1934 Adjutant im KZ Lichtenburg und wechselte 1936 in das Inspektorat der Konzentrationslager nach Berlin über. 1942 entstand das SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamt, dort übernahm er in der neugebildeten Amtsgruppe D für die Konzentrationslager das Zentralamt, das Amt D I. Im November 1943 folgte er Höß in Auschwitz in der Stellung des Kommandanten des Stammlagers und in der des Standortältesten nach.

Liebehenschel leitete eine neue Epoche in der Geschichte von Auschwitz ein. Seine Reformen bezogen sich zuerst auf den Block 11 (Politische Polizei). Er stellte die periodischen Selektionen mit darauffolgenden Erschießungen im Bunker ein. Exekutionen wurden zwar auch später durchgeführt, doch weiter weg vom (Stamm-) Lager in den Krematorien in Birkenau. Auf seinem Befehl wurden die Stehzellen abgerissen, die keinen Platz zum Sitzen oder Liegen boten und in die bis dahin Häftlinge strafweise eingeschlossen worden waren. Er erließ eine generelle Bunkeramnestie und ließ später die Schwarze Wand (Hinrichtungswand) abreißen. Ferner hob er den Befehl auf, jeden bei einem Fluchtversuch Ertappten zu erschießen. Von nun an sollten auf der Flucht aufgegriffene Häftlinge in ein anderes KZ überstellt werden. Dennoch gingen im Lager die Selektionen weiter.

1944 wurde er abgelöst und kam als Kommandant in das KZ Lublin (Majdanek). Nach der Evakuierung dieses Lagers im Juli 1944 wurde er nach Triest in das Amt des Höheren SS- und Polizeiführers Globocnik versetzt. 1947 wurde Liebehenschel vom Obersten Volkstribunal in Krakau zum Tode verurteilt und hingerichtet.