SS-ARZT DR. HORST SCHUMANN
 
Dr. Horst Schumann (Oberleutnant der Luftwaffe und SS-Sturmbannführer), geboren 1906 als Sohn eines praktischen Arztes in Halle an der Saale. Seit 1930 Mitglied der NSDAP unter der Nummer 190 002 und seit 1932 in der SA. Schumann promovierte 1933 in Halle zum Dr. med., wurde 1934 beim Gesundheitsamt in Halle eingestellt und 1939 bei Kriegsbeginn als Unterarzt zur Luftwaffe eingezogen.

Von Viktor Brack, dem Dienststellenleiter der Aktion T 4 (zur Euthanasie von Geisteskranken, chronisch Kranken, Juden und sogenannten Asozialen), wurde er 1939 aufgefordert, sich als Arzt an der Euthanasie zu beteiligen. Nach kurzer Bedenkzeit sagte er zu. Im Januar 1940 wurde er Leiter der Euthanasie-Anstalt Grafeneck in Württemberg, wo die Menschen durch Motorenabgase getötet wurden. Im Sommer 1940 wurde er Direktor der Anstalt Sonnenstein bei Pirna in Sachsen.

Nachdem Hitler formell die Ausrottung sogenannter "unheilbar Kranker" angeordnet und unter dem Decknamen "14 f 13" auch auf die Häftlinge der Konzentrationslager ausgedehnt hatte, gehörte Schumann den Ärztekommissionen an, die arbeitsunfähige und besonders schwache Häftlinge in den Konzentrationslagern Auschwitz, Buchenwald, Dachau, Flossenbürg, Groß-Rosen, Mauthausen, Neuengamme und Niederhangen aussuchte und zur Vergasung in die Euthanasieanstalten überstellten.

Am 28. Juli 1941 kam Schumann das erste Mal nach Auschwitz, wo er 575 Häftlinge selektierte, die in die Euthanasieanstalt nach Sonnenstein bei Pirna gebracht und dort ermordet wurden. Die Aktion "14 f 13" wurde im August 1941 von der SS fortgesetzt, indem kranken Häftlingen Phenolspritzen ins Herz gespritzt wurden. Eineinhalb Jahre später kehrte er nach Auschwitz zurück, um nun mit Röntgenbestrahlungen eine "kostengünstige und zeitsparende" Massensterilisation von Männern und Frauen zu erproben. Kaum eines seiner zahlreichen Opfer überlebte; die Menschen starben an den erlittenen Verbrennungen, zusätzliche "operative Eingriffe" (Entfernung von Eierstöcken und Hoden), Erschöpfung und am psychischen Schock. 1944 verließ Schumann Auschwitz. Im Oktober 1945 tauchte er in Gladbeck auf, wo er sich polizeilich meldete und zum städtischen Sportarzt bestellt wurde.

Mit einem Flüchtlingskredit (!) eröffnete er 1949 eine eigene Praxis und fiel erst 1951 den Behörden als gesuchter NS-Verbrecher auf. Schumann konnte fliehen. Nach seinen Angaben war er in den nächsten Jahren als Schiffsarzt tätig, arbeitete seit 1955 im Sudan, von wo er 1959 über Nigeria und Lybien nach Ghana floh. Erst 1966 wurde Schumann an die Bundesrepublik Deutschland ausgeliefert. Im September 1970 wurde der Prozeß gegen Schumann eröffnet, aber bereits im April des darauffolgenden Jahres wegen zu hohem Blutdrucks des Angeklagten unterbrochen. Schumann wurde in aller Stille am 29. Juli 1972 aus dem Gefängnis entlassen. Den Rest seines Lebens verbrachte er in Frankfurt, wo er am 5. Mai 1983, elf Jahre nach seiner Haftentlassung starb. Ärztliche Atteste hatten ihn vor einer Verurteilung und Strafhaft bewahrt.