DAS LAGER DER UNGARISCHEN JUDEN
 
Bis zum Einmarsch deutscher Truppen in Ungarn und der Neubildung der Regierung am 19. März 1944 weigerten sich deren Vertreter den jüdischen Teil der Bevölkerung in Konzentrationslager deportieren zu lassen. Die von dem prodeutsch eingestellten Sztojay geführte neue Regierung akzeptierte die deutschen Forderungen und begann damit, die Juden in Ghettos und Durchgangslagern zu konzentrieren und anschließend nach Auschwitz-Birkenau zu deportieren. Die ersten beiden Transporte verließen am 29. April 1944 Kistarcsa (1 800 Juden) und am 30. April 1944 Topolya (2 000 Juden). Nach einer zweiwöchigen Unterbrechung begann am 15. Mai 1944 die Hauptphase der Deportationen. Bis zum 9. Juli 1944, wurden 437.402 Juden aus Ungarn nach Auschwitz deportiert. Aufgrund des großen Drucks der neutralen Länder und des Vatikans untersagte Reichsverweser Horthy weitere Deportationen. Deutschland wollte zu diesem Zeitpunkt den Konflikt mit Ungarn nicht eskalieren lassen und unternahm daher keine entscheidende Schritte. Im August kamen jedoch noch einige hundert ungarische Juden aus dem Lager für politische Häftlinge in Kistarcsa nach Auschwitz.

Vor der Ankunft der beiden ersten Transporte wurden großangelegte Vorbereitungen getroffen. Die Krematorien wurden sorgfältig ausgebessert, die Öfen neu mit Schamotte (feuerfester Ton) ausgelegt und die Kamine mit Eisenreifen verstärkt. Hinter den Krematorien wurden umfangreiche Gruben ausgehoben. Die Zahl der Angehörigen des Aufräumkommandos sowie des Sonderkommandos wurden erhöht. Trotz der Erhöhung der Häftlingszahl in diesen beiden Kommandos schafften sie es nicht, die große Zahl der Menschen und ihrer Habseligkeiten zu bewältigen.

Die ungarischen Juden waren im Schnitt mindestens vier Tage unterwegs. Die Waggons waren dermaßen überfüllt, daß die Menschen nicht genug Luft bekamen. Sie bekamen auch nichts zu trinken. Viele erstickten daher oder starben vor Durst. Besonders kleine Kinder, alte Menschen und Kranke starben unter diesen Transportbedingungen.

Da die Transporte zu umfangreich waren, sonderte die SS viele Menschen für das Lager aus und schickte sie erst von da ins Gas. Die Zahl der vergasten Menschen war aber so groß, daß die Krematorien diese Massen nicht zu fassen vermochten. Die sich türmenden Leichen wurden daher in den vorbereiteten Gruben auf Scheiterhaufen geschichtet und verbrannt. Um das Verbrennen zu beschleunigen, wurden rund um die Scheiterhaufen Rinnen ausgehoben, in die das Fett der schmorenden Körper abfließen konnte. Mit diesem Fett wurden die Leichenstöße begossen, damit sie besser und schneller verbrannten. Sadistische SS-Männer vergnügten sich damit, kleine Kinder und alte Frauen lebendig in das brodelnde Fett oder ins Feuer zu stoßen. Um die Angehörigen der Deportierten und die restliche ungarische Bevölkerung zu beruhigen, der es natürlich auffiel, daß eine sehr große Zahl an Menschen plötzlich verschwand, mußten die ungarischen Neuankömmlinge Korrespondenzkarten mit dem üblichen Text "Es geht mir gut." schreiben. Als Absender mußte das Arbeitslager Waldsee angegeben werden, das aber nur in der Phantasie der Lager-Gestapo existierte. Auch an diejenigen, die direkt vom Zug in die Gaskammer gingen, wurden in den Auskleideräumen der Krematorien diese Korrespondenzkarten verteilt mit dem Befehl, nach Hause zu schreiben.