DIE WANNSEEKONFERENZ
 
Die Konferenz fand auf Veranlassung
Reinhard Heydrichs statt, des Chefs der deutschen Sicherheitspolizei und des SD (Sicherheitsdienst der SS). Ziel der Konferenz war, Klarheit in grundsätzlichen Fragen zu schaffen, die Endlösung der europäischen Judenfrage betreffend.

Im Juli 1941 war Heydrich offiziell von Reichsmarschall Hermann Göring beauftragt worden, einen Gesamtentwurf über die organisatorischen, sachlichen und materiellen Vorausmaßnahmen zur Durchführung der angestrebten Endlösung der Judenfrage vorzulegen. Es war das erste Mal, daß der Begriff Endlösung schriftlich in Form eines Auftrages für die planmäßige Organisation der Maßnahmen angewendet wurde. Dadurch sollte die nahezu vollständige systematische Vernichtung der Juden in Europa durch organisierte Massenmorde herbeigeführt werden.

Auf der Wannsee-Konferenz beabsichtigte Heydrich, die Organisation und die Form der Durchführung der Endlösung der Judenfrage mit allen daran zu beteiligenden Ämtern und Dienststellen aufeinander abzustimmen.

An der Konferenz nahmen mit Heydrich 15 Personen teil. Außer den hohen Parteifunktionären und SS-Führern der entsprechenden Dienststellen und aus dem Reichssicherheitshauptamt waren 2 Vertreter vom Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete, 1 Vertreter des Reichsministeriums des Inneren, 1 Vertreter des Beauftragten für den Vierjahresplan, 1 Vertreter aus dem Reichsjustizministerium, 1 Vertreter aus dem Amt des Generalgouverneurs der besetzten polnischen Gebiete, 1 Vertreter des Auswärtigen Amtes.

SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann führte das Protokoll der Sitzung, dessen Sprache mit Worten wie Endlösung für Vernichtung und Evakuierung für Verschleppung den tatsächlichen Gesprächsinhalt der Konferenz für Uneingeweihte weitgehend verschleierte.

Heydrich, der den Vorsitz der Konferenz führte, erläuterte das bisherige Ziel der "Auswanderung der Juden", die durch sich stetig steigernde Druckmittel gegen die Juden erzwungen worden war, und das seit dem 23.10.1941 bestehende Auswanderungsverbot. Heydrich erklärte, daß mit Genehmigung Adolf Hitlers an die Stelle der Auswanderung die Evakuierung der Juden nach dem Osten getreten sei und daß dabei praktische Erfahrungen gesammelt würden für die geplante Endlösung der Judenfrage.

Nach den weiteren Ausführungen sollte es sich um 11 Millionen für die Endlösung in Frage kommende Juden handeln, wobei in diese Zahl auch Juden aus Ländern einbezogen wurden, mit denen das Deutsche Reich sich nicht im Kriegszustand befand, wie z.B. Schweden, Spanien und die Schweiz. Juden aus dem Reichsgebiet und dem Protektorat Böhmen und Mähren sollten vorweggenommen und zunächst in Durchgangsgettos gebracht werden, um sie dann weiter nach Osten zu transportieren.

Im weiteren wurde auf der Konferenz erörtert, daß Halbjuden im Hinblick auf die Endlösung der Judenfrage den Juden gleichgestellt oder in bestimmten Fällen sterilisiert werden sollten.